Seit den Einsätzen der Bundeswehr im Ausland hat die Bundeswehrseelsorge an Bedeutung gewonnen. Der Aufruf „Nie wieder Krieg!“ gilt für die Soldaten längst nicht mehr. Wehrdienst Leistende, die heute im Ausland eingesetzt werden, müssen damit rechnen, verwundet oder gar getötet zu werden. Die vielen Soldaten, die bei ihrem Einsatz in Afghanistan ihr Leben verloren, geben Zeugnis vom Schrecken des Krieges. Posttraumatische Belastungsstörungen der Bundeswehrangehörigen sind die Folge unerträglicher Erlebnisse während ihres gefährlichen Einsatzes. Hier kann professionelle Hilfe durch erfahrene Militärseelsorger existenzbewahrend und oft lebensrettend sein.

Die Militärseelsorge hat ihren festen Platz in der Bundeswehr. Ihre Angelegenheiten regeln seit 1957 ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der evangelischen Kirche. Für die katholische Kirche ist noch immer das Reichskonkordat von 1933 gültig. Zusätzlich ist seit 1957 ein Militärseelsorge-Gesetz in Kraft. Die Militärseelsorge ist nicht der Hierarchie des Militärs unterworfen, sondern arbeitet innerhalb einer eigenständigen Militärkirchengemeinde an den einzelnen Bundeswehrstandorten. Der unmittelbare Vorgesetzte des Militärseelsorgers ist der Militärdekan. In der evangelischen Kirche untersteht dieser dem Militärgeneraldekan, bei den Katholiken ist es der Militärgeneralvikar. Als oberster Dienstherr gilt der Militärbischof.

Die Aufgaben in der Militärseelsorge sind sehr vielseitig. Neben regelmäßigen Gottesdiensten, kirchlichen Feiern, Taufen, Trauungen und Beerdigungen innerhalb der Militärgemeinde erfüllt der Militärseelsorger vor allem seinen verantwortungsvollen Dienst in Krisen- und Konfliktsituationen. Er ist nicht nur Ansprechpartner für die Soldaten, sondern auch für die Angehörigen. Zu den schwierigsten Aufgaben gehört die seelsorgerliche Begleitung bei Auslandseinsätzen.