Ich bin gefangen gewesen und ihr habt mich besucht“ (Matthäus 25, Vers 36). Diese biblische Aussage gilt als Grundlage für die Gefängnisseelsorger, die ihre verantwortungsvolle Tätigkeit auf der Basis des christlichen Menschenbildes ausüben. Gerade Gestrauchelte haben einen Anspruch auf die Gnade Gottes. Die freie Religionsausübung ist laut Grundgesetz allen Menschen, so auch Strafgefangenen, zu gewährleisten. Im Strafvollzugsgesetz heißt es daher: „… dem Gefangenen (darf) religiöse Betreuung durch einen Seelsorger seiner Religionsgemeinschaft nicht versagt werden“ (§§ 53 ff). In deutschen Justizvollzugsanstalten (JVA) arbeiten etwa 300 evangelische Seelsorger und Seelsorgerinnen.

 
Die Gefängnisseelsorger sind kompetente Ansprechpartner für die Gefangenen. Durch ihre Schweigepflicht und das Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen dem Seelsorger und den Inhaftierten. Die Gefängnisseelsorge ist auch für die Bediensteten der JVA und für die Angehörigen der Inhaftierten zuständig. Was sind nun die Aufgaben der Gefängnisseelsorger? Neben den seelsorgerlichen Einzelgesprächen werden regelmäßig Gottesdienste veranstaltet und Gesprächskreise durchgeführt. Freizeitangebote wie beispielsweise Koch- oder Gitarrenkurse bieten dem Gefangenen neue Perspektiven. Besonders wichtig ist für viele Gewalttäter ein Antigewalttraining. In Eheseminaren wird versucht, zerrüttete Beziehungen, die besonders durch die Haft entstanden sind, zu kitten. Eine große Hilfe ist der seelische Beistand bei Freigängen und die Vorbereitung auf die Entlassung aus der Haft mit ihren besonderen Problemen.

 

Die Gefängnisseelsorge ist eine wichtige Institution, die dem Häftling hilft, sich mit seiner Schuld auseinanderzusetzen. Er erfährt, dass Gott ihn nicht aufgegeben hat. Diese Erkenntnis kann dazu führen, sein Leben zu ändern.