Familienaufstellung in der Seelsorge – jüngste Entwicklungen und Erfolge

Das Konzept der Familienaufstellung wird in der Seelsorge schon länger mit Erfolg umgesetzt, was im Grunde naheliegend ist. Aus seiner Ursprungsfamilie bringt jeder Mensch gute und schlechte Erfahrungen, Verstrickungen, Bindungen und auch blockierende Lebensmuster mit.

Durch eine Familienaufstellung ist dies häufig schnell und klar aufzudecken. Auf eine Familienaufstellung, die innerste Gefühle berührt, folgt der seelsorgeliche Prozess mit Befreiung, Vergebung und Wiederherstellung, der in Gottes Liebe mündet. Menschen gehen auf diese Weise ihre Schritte in die persönliche Freiheit.

Erfolgreiche Kombinationen von Familienaufstellung und Seelsorge

Nicht jede Familienaufstellung ist für die seelsorgerliche Praxis geeignet. Um das zu verstehen, muss man noch einmal das Konzept der Familienaufstellung in seinen Grundzügen eruieren:

Hierbei geht es um die Stellung von Stellvertretern (es können auch Figuren sein), welche die Ursprungsfamilie des Klienten repräsentieren. Gestellt wird im wortwörtlichen Sinne. Die Aufstellung von Stellvertretern oder Ersatzfiguren (nötigenfalls Kissen auf Stühlen) im Raum kennzeichnet die Kommunikations- und Beziehungspositionen der Familienangehörigen zueinander, die nahe oder entfernt, zugewandt, konfrontativ, diametral und über Kreuz verlaufen können. Aus den Wahrnehmungspositionen sind die Muster im Familiensystem zu erkennen, da Menschen ihre grundlegenden Beziehungsverhältnisse auch räumlich abspeichern.

Im Verlaufe der Entwicklung von Familienaufstellungen seit den 1970er Jahren bildeten sich verschiedene Schulen heraus, von denen sich einige für die Seelsorge gut eignen, andere wenig bis gar nicht. Das Stellen nach Bert Hellinger, der immerhin einer der Begründer der Methode ist, wird zunehmend kritisch betrachtet, da die Nachbetreuung fehlt. Auch die Zusammenarbeit zwischen Seelsorgern und Klienten ist in dieser Schule nicht vorgesehen. Dies wird für Ratsuchende, die nachhaltig arbeiten möchten, nicht empfohlen. Das Hauptargument für diese Ablehnung lautet, dass das Bild nach einer Lösung bei der Familienaufstellung seine Wirkung innerhalb der nächsten Tage und Wochen im Klienten entfaltet, erst dann beginnt der Heilungsprozess. Wenn sich Menschen an ihren Seelsorger gewandt haben und dieser die Familienaufstellung praktiziert hat, sollte er sie in der Phase danach keinesfalls allein lassen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Seelsorge ihr Menschenbild in therapeutischer Hinsicht immer weiter fasst. Christliche Familienstellungen nehmen aktuell nicht nur die Nöte und Verspannungen eines Menschen wahr, die durch das ihm zugefügte Leid entstanden sind, sondern auch seine eigene Schuld.

Im christlichen Sinne ist ein Mensch nicht unschuldig, er kann es nicht bleiben, sobald er seine ersten Schritte auf dem Erdenkreis vollführt. Die gesamte christliche Weltanschauung zielt auf Vergebung und Erlösung, derer die Schuldigen bedürfen. Menschen werden auch in ihren Beziehungen schuldig, egal woher diese Schuld kommt (oft aus der Ursprungsfamilie, was das Familienstellen aufdeckt). Moderne Seelsorger forschen nach diesen Ursprüngen ganz besonders dann, wenn die Prägungen aus der Ursprungsfamilie zu tragischen Konsequenzen geführt haben. Damit nähert sich die Seelsorge mit ihrer aktuellen Auffassung beim Familienstellen sehr nahe der systemischen Familientherapie, die auf der Grundlage eines christlichen, biblischen Menschenverständnisses angewendet wird.

Fortschritte beim Familienstellen durch Seelsorger

Da Seelsorger ihre eigenen Kenntnisse immer mehr vertiefen, kommen die von ihnen betreuten Menschen während einer Familienaufstellung immer mehr an ihre primären Wurzeln heran. Sie entdecken tief verborgene, dabei vielfach schmerzhafte Beziehungsverstrickungen, gleichzeitig erfahren sie heilsame, überraschende und weiterführende Lösungen. Es zeigt sich seit den 2000er Jahren die Tendenz, dass sich Menschen mit guter Einbettung in ihre Kirchengemeinschaft eher an einen therapeutisch geschulten Seelsorger als an einen konfessionslosen oder in christlichen Dingen eher desinteressierten Therapeuten wenden, egal wie hoch die Berufserfahrung des Letzteren ausfällt. Das bedeutet, die Menschen erkennen den tieferen Ursprung der Heilung innerhalb der Seelsorge und der christlichen Traditionen von Reue, Sühne und Vergebung, die beidseitig stattfinden muss. Wichtig für die erfolgreiche Arbeit von Seelsorgern ist allerdings, dass die Menschen in keiner akuten Krise stecken, die durch Psychosen, Trauer, Trennungsschmerz oder Burnout ausgelöst wurde. In solchen Fällen ist die klinische Intervention möglicherweise zunächst hilfreicher, weil schwere Störungen auch medikamentös zu behandeln sind.

Christliches Familienstellen und Seelsorge

Seelsorger grenzen sich beim Familienstellen deutlich vom esoterischen Umfeld ab, in dem Familienaufstellungen bisweilen durchgeführt werden. Dieses Umfeld führen viele praktizierende Seelsorger auf den Einfluss von Bert Hellinger zurück, denn die fachlichen Grundlagen und Traditionen des Familienstellens in der Familienskulpturarbeit sind eigentlich unumstritten.

Auch wenn in der Beratung Familienangehörige einbezogen werden sollen, die der Betreffende nicht kennt und die bei seiner Geburt bereits tot waren, so lässt es sich nicht leugnen, dass gewisse Einflüsse über Generationen hinweg wirken, auch wenn die Personen sich nicht mehr (bewusst) kennengelernt haben. Dies geschieht bspw. über die Verbindung zu den Urgroßeltern. Die Methoden beim Familienstellen können, wenn diese allzu esoterisch verstanden werden, fragwürdig erscheinen. Familienstellen ist kein Geisterbeschwören, davon grenzt sich die christliche Seelsorge ab. Eine professionelle Seelsorge wird die Gefühle der Teilnehmer und deren Wahrnehmung respektieren und versuchen auch die positiven Aspekte aufzubauen.

Seelsorge respektiert den Schutz der Persönlichkeit

Seelsorger schützen die Privat- und Intimsphäre derer, die sich ihnen anvertrauen, sie bieten einen geschützten Rahmen. Viele Okkulte Praktiker greifen hingegen einen „Trend zum Familienstellen“ auf und fangen damit Menschen ein, die unter vielfältigen Belastungen dringend Hilfe suchen und diese in klassischen Therapien nicht gefunden haben. Was dann als „Familienstellen“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine überteuerte esoterische Sitzung unter Einbezug „energetischer“ und „kosmischer“ Kräfte, die weder etwas mit Heilpraxis noch mit Seelsorge zu tun hat.

In meinem Beratungsalltag erziele ich mit dem Begreifen der Herkunftsfamilie eine große Wirkung. Die Ratsuchenden arbeiten mit den gewonnen Einblicken oft über einen längeren Zeitraum und erzielen damit eine dauerhafte Veränderung Ihrer Gefühlswelt.

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