Manchmal fühlt man sich wie vor Mauern. Burnout und Depressionen sind auch bei Seelsorgern zu finden.

Der Burnout des Seelsorgers

Seelsorger sind selbst sehr belastet und geraten in Gefahr, an einem Burn-out zu erkranken. Von „müden Hirten“ schreibt die „Zeit“, fünf Prozent aller Priester sind nach Recherchen des Main-Echos im Rhein-Main-Gebiet an Burn-out erkrankt. Die Hälfte soll massiv gefährdet sein, weshalb die Dekane der Region Seminare zur Bekämpfung der gefährlichen psychischen Krankheit eingerichtet haben.

Arbeitsdruck und seelische Last

Manchmal fühlt man sich wie vor Mauern. Burnout und Depressionen sind auch bei Seelsorgern zu finden.

Der Burnout kann allein durch schieren Arbeitsdruck entstehen, denn Seelsorger, die hauptamtlich als Pfarrer beschäftigt sind, müssen in sehr vielen Fällen Multifunktionen wahrnehmen. Sie sind zusätzlich Hausmeister und Küster, Putzmann und Sekretär in einer Person, bereiten Predigten vor und betreuen irgendwie zwischendurch Menschen mit gravierenden sozialen und psychischen Problemen. Die Wochen haben 60, 70 und 80 Stunden, manchmal geht es rund um die Uhr. Auf den Gottesdienst folgt die Taufe, nach der Seelsorge schließt sich eine Beerdigung an, und Verwaltungsarbeiten sind immer zu erledigen.

Hinzu kommt die persönlich seelische Belastung, denn die vom Hirten betreuten Schäfchen sind Menschen aus der Gemeinde, also der unmittelbaren Nachbarschaft. Deren Leid geht nicht spurlos am Seelsorger vorüber. Dessen Seele mag aufrecht stehen, sein Körper reagiert jedoch hör- und spürbar: Wenn es im Ohr fiept oder ein Schwindelanfall die Aktivität bremst, sendet der drohende Burnout die ersten Warnsignale voraus. Wichtig für den Seelsorger wäre es jetzt, darauf zu reagieren und einen Stopp einzulegen. Dem verweigern sich die meisten Haupt- und Ehrenamtlichen, sie wollen und müssen funktionieren. Die Anforderungen zumindest in Unterfranken könnten nach Informationen der regionalen Presse sogar noch steigen, denn es soll Personal eingespart werden. Ein Prozent der Pfarrstellen wird bei der evangelischen Kirche nicht mehr neu besetzt, im Jahr 2025 werden im Rhein-Main-Gebiet ein Drittel weniger Pfarrer tätig sein. Bei den Katholiken drohen ähnliche Gefahren, auch wenn man die Lage „immer im Blick“ habe, wie Dekan Michael Kunze aus Offenbach zu Protokoll gibt.

Friedliche, gestresste Seelsorger

Ein Selbstbild von Seelsorgern stellt ihnen ein Bein bei der Bekämpfung des eigenen Burnouts: Die von Psychotherapeuten so klassifizierte Aggressionshemmung, untersetzt vom christlichen Menschenbild, verbietet ihnen streitbares Auftreten. Dieses wäre zwar nicht gegenüber den betreuten Personen, aber oft gegenüber Missständen der Gesellschaft indiziert, die erst seelische Verwerfungen auslösen. Eine ganze Reihe von Missständen sind bieten Aggressionspotential:

  • Unterbezahlte Teilzeitjobber
  • Mütter ohne Tagesbetreuung für ihre Kinder
  • unterversorgte Kranke und Alte ohne Zuwendung

bräuchten nicht nur Seelsorge, sondern eine gesellschaftliche Intervention in größerem Stil. Die Kirche ist jedoch keine politische Partei, Seelsorger sind keine Agitatoren, Pfarrer und betreuende Personen halten sich ans Beichtgeheimnis. In der seelsorgerischen Tätigkeit wird Trost gespendet, Ratschläge sollen nur behutsam erteilt werden, ein Eingreifen in persönliche Lebensumstände verbietet sich in der Regel.

Den entstehenden Frust müssen die Seelsorger schlucken, er kann den Burnout erst richtig auslösen. Diese Problematik wollen Evangelen und Katholiken nun in Seminaren behandeln, die angemessene Strategien zur Vorbeugung gegen Burnout vermitteln. Neben einer deutlichen Reduzierung der Arbeitsbelastung, geht es auf der seelischen Seite darum, das zeitweise intensive Engagement von Seelsorgern zu vermeiden. Das Phänomen wird in der Bibel hinreichend beschrieben, die Seelsorger sind hierfür sozusagen Fachleute. Doch wer nur noch anderen helfen möchte, kann an der eigenen Seele erkranken, die eine zu große Last nicht zu tragen vermag. Professioneller Abstand ohne Verlust an Empathie heißt das Zauberwort, diese Fähigkeit kann erlernt werden.

Psychotherapeuten erwerben entsprechende Kenntnisse schon im Studium, das Phänomen der Gefühlsübertragung vom Patienten auf den Therapeuten ist dort allgemein bekannt. Hier können Seelsorger etwas lernen, das dennoch mit dem christlichen Menschenbild der Nächstenliebe verknüpft bleiben soll – zum Wohle der Ratsuchenden.

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar