Burnout und Depressionen bedingen sich häufig

Burnout und Depression

Burnout und Depression können eng miteinander verwandt sein und sich gegenseitig bedingen, es handelt sich jedoch nach gegenwärtiger Definition um unterschiedliche Krankheitsbilder.

Essenziell für Betroffene ist hierbei die bilaterale Verquickung von Depressionen und Burnout. Personen können erst ausgebrannt sein und danach depressiv erkranken (und zwar schwerstens), gleichzeitig unterliegen Menschen mit der endogenen Veranlagung zu Depressionen einer erhöhten Gefahr, am Burnout-Syndrom zu erkranken. Dennoch sind Burnout-Opfer teilweise gesunde Menschen ohne jede Veranlagung zur Depression, diese Personen wenden zwangsläufig auch andere Vermeidungsstrategien an, wenn sie ausgebrannt sind. Menschen mit endogenen Depressionen wiederum gelangen vielfach gar nicht in die Lebenssituationen mit der entsprechenden Verantwortung, die zum Burnout führen können. Beiden Krankheitsbildern gleich kann die enorme Erschöpfung sein.

Medizinische Unterscheidung zwischen Burn-out und Depression

Burnout und Depressionen bedingen sich häufig

Das Eine zieht das Andere nach sich. So bedingen Depressionen und Burnout häufig gegenseitig und verschwimmen.

Der Burn-out ist nach ICD-10 eine Erkrankung durch Probleme bei der Lebensbewältigung, kann also durch eine andere Lebensstrategie vermieden und/oder geheilt werden. Die Depression ist eine endogene Erkrankung, sie wird durch Störungen im Gehirnstoffwechsel verursacht, für die eine Veranlagung besteht. Menschen, die ausgebrannt sind, müssen daher nicht zwangsläufig depressiv sein. Trotz großer Erschöpfung können die typischen, auch körperlichen Symptome der Depression fehlen. Dazu gehören neben dem Gefühl größter Niedergeschlagenheit auch extreme Schlafstörungen, schwere Suizidgefahr, größte Ernährungs- und Stoffwechselprobleme bis hin zum Phänomen, dass nicht mehr uriniert werden kann, flache Atmung und maximale Bewegungseinschränkung. Betroffene können nicht aus dem Bett aufstehen, obgleich sie es durchaus wollen und körperlich nicht beeinträchtigt sind. Depressionen treten morgens nach dem Aufwachen verstärkt auf und klingen ab 13.00 Uhr mitteleuropäischer Normalzeit (Winterzeit) ab, unabhängig vom sonstigen Tag-Nacht-Rhythmus und der Dauer sowie Tageszeit des Schlafes. Ein weiteres typisches, damit zusammenhängendes Phänomen ist selbst bei leichten Depressionen eine tägliche leicht manische, von großen Gedankensprüngen gekennzeichnete Episode etwa zwischen 18.00 bis 20.00 Uhr. Hinsichtlich der Stimmungen werden diese bei der Depression gedämpft, die Personen empfinden überwiegend weder Freude noch Trauer und sind wenig gereizt, weil hierzu der Antrieb fehlt. Burnout-Opfer klagen im Gegenteil gerade über große Gereiztheit, ebenso über Trauer oder manische, unbegründete Euphorie. Der von Depressiven beschriebene „Weltschmerz“, der sich in großem Mitleid gegenüber weitverbreitetem Elend äußert, ähnelt nur wenig der üblichen Trauer von gesunden Personen, wobei es in der manischen Phase zu kurzen, heftigen Trauerausbrüchen kommen kann. Wenn das geschieht, ist die Suizidgefahr am höchsten, da diese halb- bis einstündige Phase am Tag dem Depressiven seine einzigen Handlungsoptionen bietet und er das weiß. Diese Trauerausbrüche können wiederum bei Depressiven zeitweise so heftig ausfallen, dass sie auch kognitive Gegenstrategien entwickeln und künftig Trauer durch Sarkasmus, schwerste Verdrängung, Gewalt oder Zynismus ersetzen. All diese Symptome treten auf, auch ohne dass die betroffene Person ausgebrannt ist. Die Depression ist gleichzeitig bis auf wenige Ausnahmen der einzige Grund für einen Suizid, denn normalerweise sterben Menschen, auch alte, kranke Menschen voller Schmerzen, nicht freiwillig.

Strategien bei Erschöpfung in Folge von Burnout und Depression

Menschen können zeitweise sehr ausgebrannt sein, weil der berufliche und sonstige Druck enorm gewachsen ist, weil die Lebensgestaltung nicht zur Motivation passt, vielleicht auch wegen körperlicher Erkrankungen. Wenn die daraus folgende Erschöpfung die typischen Burnout-Symptome aufweist, also Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Drogenkonsum, soziale Verwerfungen durch Streitigkeiten, Kauf- und Spielsucht, möglicherweise Gewaltausbrüche, ist auf die Gefahr einer Depression zu achten. Das hängt sehr stark von der endogenen Veranlagung der betreffenden Person ab und ist im Grunde relativ leicht zu ermitteln. Da ein Burn-out fast immer in der Mitte des Lebens auftritt, weil erst dann die Karriere auf dem gefährlichen Punkt angelangt ist (typisches Alter Anfang 30 bis Ende 40), kann die betreffende Person zunächst in der eigenen Lebensgeschichte forschen, ob es schon einmal depressive Episoden gab, und dann die nächste Verwandtschaft betrachten. Depressionen beruhen auf Störungen im Gehirnstoffwechsel, die angeboren sind und durch Stress – also auch die Lebensgestaltung – verstärkt werden. Dass körperliche Erkrankungen beachtet werden müssen, versteht sich von selbst. So leiden Menschen zum Beispiel nach Bandscheibenvorfällen mit irreversiblen Folgen auch unter Depressionen und sogar unter Burn-out, weil einfachste Bewegungen nicht mehr funktionieren. Sollte nun ein Burn-out eingetreten sein, kann die Depression, sie muss aber nicht folgen. Umgekehrt sind Menschen mit der Veranlagung zur Depression schneller ausgebrannt, ihre Reserven lassen eine übermäßige Anspannung über lange Zeiträume häufig nicht zu. Hiervon gibt es allerdings Ausnahmen, die in der modernen Medizin unter „manisch-depressiv“ subsumiert werden und zum Phänomen führen, dass diese Personen sehr lange auf höchsten Energielevel agieren können, um dann von einem Burn-out getroffen und anschließend depressiv zu werden, einfach weil die Gratifikation für ihre Anstrengung nicht eingetreten ist. Diese Personen neigen zu Kurzschlusshandlungen, sie können Gewalt ausüben oder Selbstmord „im Affekt“ begehen, in minder schweren Fällen bringen sie ihr Vermögen durch, lassen sich scheiden und anschließend zum Alkoholiker umschulen. Bevor das eintritt, gibt es nur einen Ratschlag: Schalten Sie einen Gang zurück und schlafen Sie sich dringendst aus, egal was Ihre Umgebung davon hält. Schlafen Sie, wo immer Sie können.

Kulturelle Hintergründe beim Ausgebranntsein

Wenn nun konstatiert wird, dass Menschen durch ihre Lebensgestaltung ausgebrannt sein können, dass Depressionen gleichzeitig endogen sind, dass beides zur Erschöpfung führt und offensichtlich zusammenhängt, stellt sich die Frage nach dem kulturellen Kontext. Dieser wurde durch die Menschen schon vor Urzeiten hergestellt, selbst in Bezug auf die unter Lichteinfluss (respektive Lichtmangel) auftretenden Depressionen. Nicht umsonst zählt das Sonnenwend-Fest – in unserem Kulturkreis als Weihnachtsfest gefeiert – zu den absolut höchsten Feiertagen jeder Kultur, weil diese Tage die kürzesten im Jahresverlauf sind und sich dies auf die Stimmung niederschlägt. Alle Kulturen fügen daher eine Zeit der Besinnung ein. Diese Besinnung täte nun auch im übrigen Jahresverlauf und Lebensgeschehen gelegentlich not, denn die moderne Gesellschaft mit ihrer Hetze nach Leistung, Anerkennung und Konsum kann gar nichts anderes hervorbringen als gelegentliche Burn-outs (so wie Raserei auf der Autobahn zu gelegentlichen Unfällen führen muss). Damit soll ausdrücklich nicht das Streben nach Leistung und technischem Fortschritt an sich negiert werden. Dieses Streben findet nur auf ungesunder Basis, per gegenseitiger Ausbeutung (auf allen Ebenen, auch in Familien, auch unter Freunden) und mit sehr fadenscheinigen verkäuferischen Strategien statt. Menschen, die in verantwortlicher Position einen Burn-out erleiden, durchschauen auf einmal die banalen, auch über Medien-Plattitüden verbreiteten „Wahrheiten“ unserer Gesellschaft und empfinden kulturellen Überdruss. Daher kommt ja die verbreitete Strategie des „Aussteigens“. Leider können depressive Burnout-Opfer sich kaum artikulieren, es fehlt ihnen die Kraft, und die leicht debile Gesellschaft will ohnehin nicht zuhören. Es sei dennoch darauf hingewiesen, dass gewöhnliche, keinerlei extremer Auffassungen verdächtige Personen depressiv werden können, wenn sie bestimmte Medienpublikationen lesen oder bestimmte Fernsehsendungen sehen. Der Anstand verbietet uns hier Namensnennungen. Die Verantwortlichen sind allerdings zu bedauern.

 

Begleitende Unterstützung bei Burnout und Depressionen finden Sie hier: Anfrage zur Seelsorge

Wie arbeitet die Praxis für Lebensberatung – Leben braucht Mut: Weitere Informationen

 

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